Schimrod-Blog


Liebe Leser, ich werde hier eine fiktive Geschichte über Schimrod
schreiben. Bitte stellen Sie Schimrod eine Frage, dann werde ich versuchen,
originelle Fragen in meine Geschichte einzuarbeiten. Die Fragen sollten so
gestellt werden: "Lieber Schimrod, ich habe folgendes Problem, es ist
so......... . Kannst Du mir helfen?" Die Fragen können genauso fiktiv sein
wie die Geschichte. Ich werde sie als eine Art Brainstorming benutzen, also
können sie durchaus die Story beeinflussen. Ich wünsche Ihnen beim Lesen
genauso viel Spass, wie ich ihn beim Schreiben habe.

24. Mai 2009

16. Fragen

Abgelegt unter: Kann Schimrod helfen? — Gabi @ 11:13

Schimrod und Wagner schlenderten zum Bahnhof, beide tief in Gedanken versunken. Die Bemerkungen von Wagner berührten Schimrod tiefer, als er es zuzugeben bereit wäre. Ein Leben, von dem er nichts wusste, es aber doch gelebt hatte, lag im Schatten hinter ihm. Erfahrungen, an die er sich nicht erinnern konnte. Solche Erfahrungen waren wertlos, es war, als hätte er sie nie gemacht, als beträfen sie einen anderen. Trotzdem war da dieser Schmerz in seinem Herzen, wenn Wagner über Schimrod berichtete. Er sehnte sich danach, dass alles wahr wäre. Anders konnte er sich nicht erklären, warum er diesem kleinen Mann ins Ungewisse zu folgen bereit war.

„Wagner, bitte erzähle mir mehr von Schimrod. Ich kann mich ja nicht erinnern, ich möchte aber noch so viel wissen.”

„ Hör mir gut zu, bald wirst du mehr wissen, du solltest dich noch ein bisschen in Geduld üben. In den Karpaten, kurz vor unserem Ziel, werden wir Sokimakai treffen, er wird ein Geschenk für dich im Gepäck haben. Dieses Geschenk wird hoffentlich, nein bestimmt, den Fluss der Mneme anregen. Wenn du mit Mneme überspült wirst, werden alle deine Fragen beantwortet, deine Erinnerungen werden wieder vollständig hergestellt sein.”

„Wie ist es,Wagner? Dass Überspülen mit Mneme?”

„Die Magier sagen, es gleicht einer Geburt.”

„Das ist keine große Beruhigung. Trotzdem, du musst mir mehr von Schimrod erzählen. Wie oft erlebte ich den Prozess der Wiederbelebung?”

„Schimrod, in Uträa ist es nicht wie hier. Die irdischen Verhältnisse lassen sich nicht übertragen. Uträische Menschen haben Aufgaben zu erfüllen, die sich aus ihren spezifischen Persönlichkeitsmerkmalen, Fähigkeiten und Talenten ergeben. Erfüllt man diese Aufgaben nicht, bleibt die Seele ohne Satisfaktion und man erhält eine erneute Möglichkeit. Man kann bis zu drei Möglichkeiten erhalten, bis sich die Kraft der Seele erschöpft. Von manchen starken Magiern hörte man, sie hätten eine vierte körperliche Manifestation erhalten, doch so etwas soll sehr selten sein. Sehr kleingeistige Menschen haben nur sehr einfache Aufgaben zu erfüllen, hier kommt es selten zu einer erneuten körperlichen Manifestation der Seele.”

„Ein interessantes Konzept!”

„Das ist es, in der Tat.”

„Sag, wie oft lebte ich schon?”

„Dies ist dein zweites Mal. Doch wenden wir uns profaneren Dingen des Lebens zu. Wie werden wir die Reiseroute in die Karpaten bestimmen?”

„Zuerst erklärst du mir die Lage der Hub-Plattform, dann werden wir uns vom Reisebüro im Bahnhof die Route bestimmen lassen. Anschließend kaufen wir die Karten und begeben uns auf die Reise. Möglicherweise sollten wir uns vorher etwas Reisegepäck zulegen. Etwas Wäsche zum Wechseln kann nicht schaden.”

„Es ist eine wunderbare Idee. So sollten wir verfahren.”

9. Mai 2009

15. Das Keller’sche Schlafgemach

Abgelegt unter: Kann Schimrod helfen? — Tags:, — Gabi @ 18:14

Nun widmete Shylock seine Aufmerksamkeit dem wuchtigen Bücherregal hinter dem Schreibtisch. Er studierte aufmerksam die Titel der Bücher, konnte aber nichts Außergewöhnliches entdecken. Auch die braune Leder-Chaiselongue bot keinerlei Auffälligkeiten. Shylock verlor nun das Interesse an diesem Raum und verließ ihn. Im angrenzenden Flur führte eine Treppe nach oben. Die Tür, die Shylock wählte, war verschlossen. Wieder kamen seine Insekten-Finger zum Einsatz; innerhalb kürzester Zeit war die Tür offen. Er trat ein und befand sich im Keller’schen Schlafgemach. Shylock zeigte selten Gefühlsregungen, zu kalt war sein Blut. Aber hier war er fassungslos. Neben dem wuchtigen, antiken Holzbett befand sich eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Foltergeräten. Ein großer Eisenkäfig  zur Aufbewahrung von Gefangenen stand unmittelbar neben dem Kopfende des Bettes. Auf einer Bank daneben lagen verschiedene Daumen- und Knieschrauben und eiserne Mundsperren. In einer Ecke des Raumes stand eine geöffnete eiserne Jungfrau.

Zum ersten Mal begann Shylock an Kellers Geisteszustand zu zweifeln. Er konnte nicht begreifen, wie man in seinem Schlafgemach eine Folterkammer einzurichten vermochte. Diese Bewandtnis lag außerhalb seiner Geisteshaltung, er hatte hierfür keinerlei Verständnis. Voller Abscheu machte er sich an die Durchsuchung des Raumes. Leider brachte diese keine neuen Erkenntnisse. Mit einem letzten Schaudern wandte er sich ab und verließ diese widerwärtige Kammer, stieg die Treppe herunter und befand sich flugs wieder im Wohnzimmer. Dabei vergaß er, die Schlafzimmertür wieder zu verschließen, dies sollte zu einem späteren Zeitpunkt zu einem spektakulären Erschrecken der Zugehfrau führen.

„Oh, Keller, dein Charakter ist widernatürlicher, als ich vermutete. Wie konnte ich nur glauben, dir zeitweise vertrauen zu können. Ich war ein Narr. Nun werde ich mich zuerst mit König Purizante besprechen, er wird mir gewisslich helfen.” So sprach Shylock, verwandelte sich wieder in eine Fliege und flog aus dem Haus.

Schimrod und Wagner  befanden sich unterdessen in angeregter Diskussion. Sie planten die Reiseroute in die Karpaten.

„Wir sollten mit den eisernen Zügen fahren, meiner Meinung nach ist es schnell und sicher, zudem fallen wir in der Masse der Reisenden weniger auf.” „Sicher, Wagner, allerdings werden wir die Zugfahrt bezahlen müssen und Geld abheben, nachdem ich so aus der Bäckerei geflohen bin, ist wohl nicht mehr möglich. Womit also, frage ich dich, bezahlen wir?” „Aber Schimrod, nichts ist einfacher als das. Wir nehmen einfach etwas von dem Geld aus meiner Börse. Ich habe genug dabei. Ich kam doch nicht unvorbereitet zu dir! Wesnogir stattete mich mit allem Nötigen aus. Dazu gehörte auch eine nicht unbeträchtliche Menge eures Geldes. Für einen Magier ist so etwas eine Kleinigkeit.” „Wagner, du Halunke! Warum erzählst du mir erst jetzt davon? Wir hätten alles bezahlen können! Stattdessen schmarotzten wir uns durch diverse Lokale und nächtigten sogar unter einer Brücke!” „Aber, aber. Das diente doch nur der Vorbereitung auf Uträa. Dort wird es nicht so leicht sein wie hier. Und dass wir unter einer Brücke schliefen half nur der Verwischung unserer Spuren.” „Pah, alles faule Ausreden!” „Egal, wir sollten uns lieber dem Zukünftigen widmen. Wir müssen zur Hub-Plattform und vorher Sokimakai treffen. Unbewaffnet dürfen wir auf keinen Fall nach Uträa. Außerdem hat Sokimakai eine Überraschung für dich, ich überreichte ihm einen Metallsplitter aus Fasnogir, bevor ich mich auf die Suche nach dir machte.” „Ach, und so etwas soll nun mein Herz erfreuen?” fragte Schimrod beißend. „Ja, höhne du nur. Sokimakai ist ein echter Künstler, er weiß genau, was er tut. Er verspricht sich viel davon und ich mir inzwischen auch.” erwiderte  Wagner. „Dein neues Schwert wird einen Namen erhalten müssen, du solltest die Zeit nutzen, darüber nachzusinnen. Dies wird dich beschäftigt halten, dann musst du nicht mehr Streitgespräche mit mir führen. Wenn deine Erinnerung wieder vollständig hergestellt ist und du somit wieder bei Besinnung bist, werde ich dich ernst nehmen. Bis dahin sehe ich dich als einen noch nicht vollständig Erwachten an. Nun kannst du garstig auf mich sein oder streitsüchtig werden, aber wenn dich erst die Mneme durchströmt, wirst du mich verstehen.” Darauf wusste Schimrod nichts zu erwidern. „Komm, Schimrod, lass uns aufbrechen zum Bahnhof, auf dass wir bald die Karpaten erreichen.”

2. Mai 2009

14. Cirkwehrum

Abgelegt unter: Kann Schimrod helfen? — Tags:, , , — Gabi @ 10:19

Shylock erreichte im frühen Morgengrauen das Dörflein Cirkwehrum. Hier hatte sich der große Keller zurückgezogen. Er besaß einen kleinen ehemaligen Bauernhof am Rande des Dorfes, etwas außerhalb zwischen Feldern und Wiesen gelegen. Der Himmel schimmerte grau und puderrosa, durchzogen mit hellblauen Himmelsstreifen.

Shylock humpelte missmutig zu dem kellerschen Resthof, er besaß keinen Blick für die Schönheit des Morgens. Die Beschwernisse der Reise belasteten seine Launen, er hatte Hunger und Durst, er war ärgerlich, weil er nicht fliegen konnte oder durfte. Die Gefahr, von einem hungrigen Vogel aus der Luft gepflückt zu werden, war zu groß.

Schon von weitem bemerkte Shylock das Hauswacht-Auge. Es war zur Tarnung in einem Wetterhahn versteckt, entging seinen scharfen Insektenaugen jedoch nicht.

„Soso Keller, du bist also nicht zuhause. Nun gut, dann werden wir unsere Pläne neu strukturieren. Das hat auch gewisse Vorteile.” Murmelte Shylock. Da er vom Hauswacht-Auge nicht gesehen werden wollte, nahm Shylock wieder Fliegengestalt an und flog so unbemerkt auf das Haus zu. Für diese kleine Flugstrecke nahm er die Gefahr des Gefressen-Werdens auf sich, wollte er doch unbemerkt zu dem kellerschen Wohnhaus gelangen und möglicherweise sogar Einlass finden. Seine Hoffnungen wurden auf wunderbare Weise erfüllt, ein Fenster war leicht geöffnet. Die Zugehfrau, die sich in Kellers Abwesenheit um das Anwesen kümmerte, war der Meinung, das Haus würde Frischluft vertragen können und ließ so ein Fenster offen stehen, damit die gute ionengesättigte, würzige Luft in das Haus strömen konnte. Shylock nahm den Weg der Frischluft und befand sich flugs in einem Zimmer, das man als Wohnzimmer bezeichnen konnte. Hier wechselte er wieder seine Gestalt.

Dieses Wohnzimmer spiegelte aufs Genaueste Kellers Wesen wider, doch diese Feinheit entging dem insektenartigen Shylock. Sein Fokus lag auf anderen Dingen. Die Möbel waren ausnahmslos aus dunklem, schwerem Holz gefertigt, welches mit Schnitzereien und Zierrat übersäht war. Sie waren groß und schwer, mit einem Wort, sie waren protzig. Der wuchtige Schreibtisch stand mitten im Raum, die Platte unter der sich eine hohe beschnitzte Zarge anschloss, wurde getragen von zwei massiven Wangen , die mit geschnitzten Löwen und Wappen verziert waren. Der Schreibtischstuhl war kein Stuhl mehr, es war mehr ein Sessel oder sogar ein Thron. Die Armlehnen endeten in geschnitzten Löwenköpfen, in die Rückenlehne war ein imposantes Wappen geschnitzt. Diese endete nach oben hin in eine stilisierte Krone.

An der des Schreibtisches gegenüberliegenden Wand hing ein übermannshoher Salonspiegel mit goldenem, geschnitzten Rahmen. Saß man an dem beeindruckenden Schreibtisch, konnte man sich im Spiegel bewundern. Üblicherweise bekam man dabei ein beklemmendes Gefühl, sich sitzend an dem überwältigenden und großen Möbel zu sehen, nicht jedoch Keller. Er war anders, er fühlte sich von Macht durchströmt, die er nicht hatte, jedoch zu kommen nahen glaubte.

In dem Schreibtisch in der Zarge befand sich eine Geheimschublade. Shylocks kundige Augen fanden sie fast sofort. Sie war abgeschlossen, jedoch war das kein Hindernis. Des Insekten-Gnoms Finger schlüpften in kleinste Zwischenräume und lösten so den geheimen Mechanismus, der die Schublade blockierte. Dergestalt ließ sie sich leicht öffnen und Shylock holte ein Bündel Notizen heraus. „Interessant, interessant, dies hier werde ich an mich nehmen.” Mit diesen Worten schob er das Bündel in seinen weiten grünen Mantel, der in seinem Innenbereich eine Vielzahl von Taschen aufzuweisen hatte

16. April 2009

13. Der nächste Morgen

Abgelegt unter: Kann Schimrod helfen? — Gabi @ 13:35

Schimrod erwachte zeitig am Morgen. Campieren unter Brücken war er nicht gewohnt. Er betrachtete eingehend Wagner beim Schlafen. Wagner war wirklich nicht als schön zu bezeichnen, zu markant waren seine Gesichtszüge. Die Nase war scharf geschnitten und stach habichtschnabelartig hervor. Die Augenbrauen waren kräftig und buschig und an den Wangenknochen hätte man sich schneiden können. Trotzdem wirkte Wagner auf eigentümliche Weise einnehmend und sympathisch. Die Betrachtung Wagners brachte eine verborgene Saite in Schimrod zum Schwingen, es war ihm, als hätte er Wagner schon viele Male so angesehen. „Seltsam”, dachte Schimrod, „wie leicht ich meinen neuen Namen schon akzeptiert habe. Wo ist nur der mit sich hadernde Matthias geblieben?”

Wagner grunzte und schnaubte, blies die Backen auf und hustete. „Mjmmhh, chrrrmmh.” „Guten Morgen Wagner.” „Schrmmmjmmh. Ja, ja, guten Morgen.” Wagner setzte sich auf und zog prüfend die Luft ein, dann schaute er sich vorsichtig um. „Was ist los, Wagner? Sind wir hier unsicher?” „Nein, nein, ich glaube nicht. Richtig gut schlafen werde ich erst wieder in Uträa. Und dort auch erst, wenn unsere Aufgabe erfüllt ist.” „Unsere Aufgabe? Ich dachte, ich sollte dem Allesverschlinger den Garaus bereiten.” „Nun ja, in Grunde ist das auch so, aber vorher müssen ein paar winzige Kleinigkeiten erledigt werden. Und dann wirst du zu Zuge kommen, glaube mir. Deinen jugendlichen Überschwang wirst du etwas dämpfen müssen, wir wollen ja nicht unüberlegt handeln.” „Sag mir Eines, Wagner. Warum gerade ich?” „Wie bitte?” „Anders ausgedrückt: Warum fiel ausgerechnet mir die Aufgabe zu, den Allesverschlinger zu vernichten?” „Das, mein Lieber Schimrod, übersteigt meinen Horizont. Ich weis nur, dass Merik vor vielen, vielen Jahren bestimmte Berechnungen unter Berücksichtigung von Bahnen unzähliger Himmelskörper anstellte. Die Ergebnisse der komplexen Berechnungen waren eindeutig. Es konnte nur jemand mit den richtigen Geburtskonstellationen dem Allesverschlinger Paroli bieten, alle anderen mussten scheitern. Dieser jenige warst du. Nach deinem letzten Ableben stellte Merik neue Berechnungen an. Es stellte sich neues heraus. Du bist zwar der Richtige, bestimmte Konstellationen aber blieben unberücksichtigt, es muss noch etwas Neues hinzu. Bevor Merik  eine Konklave der Zauberer einberief und alle seine Ergebnisse in ihrer Gänze und Klarheit darstellen konnte, verschwand er. Tot kann er nicht sein, sonst hätten die Zauberer ein Beben verspürt. Unsere erste Aufgabe wird sein, Merik zu finden, damit er uns über die neuen Dinge, die zu berücksichtigen sind, informiert. Dann erst werden wir uns der letzten Aufgabe zuwenden, noch einmal darfst du nicht scheitern.” „Das klingt alles sehr einleuchtend. Gespannt bin ich auf Uträa. Erst wenn ich in deiner Welt bin, werde ich dir vollständig glauben können.” „Schimrod, das ist alles ein Trugschluss, eine falsche Annahme. Uträa ist genauso deine Welt wie die meine. Das wirst du bald genug wissen. Doch nun lass uns geschwind aufbrechen. Zuerst sollten wir uns in der Kunst des Umsonst-Speisens üben, anschließend reisen wir in die Karpaten.”

7. April 2009

12. Der Allesverschlinger schlief unruhig

Abgelegt unter: Kann Schimrod helfen? — Gabi @ 18:46

Der Allesverschlinger schlief unruhig heute Nacht. Er spürte instinktiv die Veränderungen. Ganz Uträa gärte. Vieles veränderte sich, sogar seine Anhänger und Schergen zeigten sich unruhig bis ungehorsam. Viele hatten eigene Ambitionen, diese mussten ihnen unbedingt ausgetrieben werden. Noch brauchte er sie, aber wenn alles wieder unter Kontrolle war, würde er sie vernichten.

Keller wollte ein eigenes Machtzentrum errichten, doch sobald Merik gefunden war, würde Keller den Weg in den Kessel der Qual antreten. Und so manche würden ihm folgen. Dann würde er den Menschen den Halsreif der Schmerzen anlegen.

Es klopfte, erst zaghaft, dann lauter, bis schließlich der Allesverschlinger brummend und fluchend aufstand und die Tür öffnete. „Erhabenster Meister, es bereitet mir unsägliche Qual euch euren Schlaf rauben zu müssen, aber es hat sich Wichtiges ereignet.” Sagte Serlos, der persönliche Kammerdiener des Allesverschlingers. „Sprich!” Donnerte dieser zurück. Serlos sprach geschwind weiter: „Meister, leider war es uns nicht möglich, Schimrod zu finden. Es ist sogar noch viel schlimmer. Wagner muss sich auf der Erde befinden, es ist anzunehmen, dass er inzwischen mit Schimrod Kontakt hat. Falls das passiert sein sollte, können wir davon ausgehen, dass Schimrod wieder an seine Erinnerungen gelangt.” „Hhhmm, hhmm, nun, es gibt Schrecklicheres. Trotzdem, gute Nachrichten sehen anders aus. Wir werden neue Pläne machen müssen. Zuerst muss mein kleiner Bruder kommen. Ich werde seine Unterstützung gebrauchen können. Dann werde ich mit diesem Kriecher Keller reden. Vielleicht ist er mir doch noch nützlich. Veranlasse alles. Und spare nicht mit Drohungen. Sie sollen den Ernst der Lage erkennen. Und auch meine Ungeduld. Schlafen werde ich heute nicht mehr können, ich brauche jetzt etwas anderes. Rufe Feodora, sie soll mir den Rücken massieren und noch andere Stellen.”

Der Allesverschlinger ließ sich wieder auf sein mächtiges Bett plumpsen und goss sich aus der Karaffe auf den Nachttisch roten Wein in einen Kelch. Vor Vorfreude grinste und sabberte er, der Wein ergoss sich auf seinen seidenen Nachtrock. Die Flecken wirkten im düsteren Kerzenlicht wie Blut. Dies erheiterte den Allesverschlinger so sehr, er lachte laut und donnernd. In diesem Moment erschien Feodora in der Tür, zart und zierlich. „Allerliebst, allerliebst. Gibt es etwas Schmackhafteres als ein Mädchen, scheu und zierlich?” Er griff wieder zum Kelch und trank ihn mit einem Zug aus. „Hurtig jetzt, herunter mit den Kleidern! Oder ich reiße sie dir herunter, dann hast du nichts mehr zum Anziehen.”

11. Karte

Abgelegt unter: Kann Schimrod helfen? — Gabi @ 16:20

5. April 2009

10. Nächtliche Gedanken

Abgelegt unter: Kann Schimrod helfen? — Tags:, , , — Gabi @ 11:04

Schimrod und Wagner nächtigten in Ermangelung einer Schlafgelegenheit unter einer Brücke. Das Abendessen hatten sie sich auf ähnliche Art und Weise besorgt wie zuvor in der Eisdiele. Schimrod schlief tief und fest, dieses ungewohnte Abenteuer verhalf ihm zu einem erschöpften Schlaf. Wagner selbst konnte nicht schlafen. Er saß wach neben Schimrod und studierte dessen Gesicht. Schimrod war nicht wie andere junge Männer. Er besaß eine einschüchternde Wildheit in seinem Blick. Sein Wesen hatte etwas Wildes an sich; ein Teil von ihm war ungezähmt und unzivilisiert geblieben. Es war so, als hielte er sich selber in Schach. Ja, so musste es gewesen sein, dachte Wagner, nur so konnte Schimrod ein solches Leben in einem Gebäckverkaufsstand ertragen haben. Wagner senkte nachdenklich den Blick. Schimrod war nicht von diesem kultivierten Wesen, das einem Menschen das Leben in der Gemeinschaft leichter machte. Er hatte kein Gefühl für Geben und Nehmen, keine Vorstellung, von den Konzessionen, die man zum Wohl der sozialen Sicherheit zu machen hatte. Deswegen konnte Schimrod auf dieser wohlgeordneten Welt nichts erreichen, er war zu anderen Dingen bestimmt.

Ja, dachte Wagner und lächelte insgeheim, du sollst wieder ein Herr und Krieger sein. Du wirst Schwierigkeiten haben, als einfacher Mensch durchzugehen, alle sehen, dass du anders bist. Ich sehne den Augenblick herbei, in dem wieder die Kraft eines Schwertes deinen Körper durchströmt, in dem dich wieder eine wilde Lust am Kampfe packt.

Im selben Augenblicke saß Guri Keller in seinem Turm vor dem Kamin, in dem ein Feuer prasselte. Er starrte in die Flammen und trank dazu gewürzten, heißen Wein. Noch immer konnte er die magischen Apparate von Merik nicht benutzen, sie entzogen sich in ihrer Komplexität seinem Geiste. Was Keller nicht wusste, war folgendes: Merik faltete die Apparate mehrfach in sich selber mit Hilfe von Magie. Da aber Keller der Magie nicht mächtig war, sondern sie mit Hilfe der Apparate erlernen wollte, war sein ganzes Bestreben nutzlos. Er konnte die Apparate nicht entfalten, ja, er wusste noch nicht einmal, dass sie gefaltet waren. Was Keller für eine absurde Komplexität hielt, war in Wahrheit eine komplizierte Verschlingung und Verknüpfung des Raumes.

Keller stand auf, um seine fruchtlosen Gedanken zu unterbrechen und ging zu dem magischen Spiegel, der in seinem Turmgemach hing. Dieser Spiegel war ähnlich störrisch wie die Apparate, jedoch besaß der Spiegel einen eigenen Willen, fast schon ein eigenes Wesen. Leider wollte der Spiegel Keller nicht zu Diensten sein und so zeigte er nicht das gewünschte an. Normalerweise sollte er jede Person darstellen, deren Namen vernehmlich gesagt wurde. Doch der Spiegel weigerte sich und zeigte stattdessen das Anlitz von Keller grotesk verzerrt, manchmal jedoch auch auf schmeichlerische Weise geschönt. Heute wieder erstrahlte Kellers Spiegelbild in strahlender Schönheit, die dunklen Haare waren auf atemberaubende Art gelockt, der sinnliche Mund wunderschön, vielleicht ein bisschen zu arrogant geschwungen, die Augen mit dichten Wimpern umkränzt. Mit einem Wort: Keller war schön.

Keller wand sich unzufrieden ab, obwohl er Schmeicheleien durchaus zugänglich war. Heute jedoch konnte nichts seine schlechte Laune bessern. Der Allesverschlinger weigerte sich, ihn, den mächtigen Guri Keller zu empfangen. ER wollte nichts von Kellers Plänen und Vorschlägen wissen, ja, ER holte ihn sogar nach Uträa zurück und schickte an seiner statt diesen unwichtigen Zschockalt! Dies war an Ignoranz kaum zu überbieten, dies spottete seiner überragenden Intelligenz, von seiner Schönheit nicht zu reden!


29. März 2009

9. Am Bahnhof

Abgelegt unter: Kann Schimrod helfen? — Tags:, , — Gabi @ 20:23

Schimrod und Wagner erreichten den Bahnhof. „Und jetzt, Wagner? Wie sollen wir nun Verbindung zu Meister Firienze aufnehmen?“ „Ganz einfach, ich habe hier einen Schlüssel. Er gehört zu einem Blechkasten. Mit diesem Schlüssel öffnen wir den Blechkasten, dann sprechen wir mit Firienze.“

„Aha, also so ähnlich wie telefonieren“, höhnte Schimrod. „Nun ja,“ antwortete Wagner, „früher benutzten wir tatsächlich eure Telekom, allerdings haben wir zur Bahn gewechselt, da die Telekom Menschen nach Informationen ausspähte. Da wussten wir noch nicht, dass Meister Schlehdorn von eurer Schienenbahn auch ausspähen lässt. Nun bleibt uns vorerst nichts anderes übrig, als auf dem Bahnhof zu reden, bis wir eine neue Vorrichtung ersonnen haben.“ Wagner nestelte an seinem Gürtel, an dem diverse Lederbeutel in unterschiedlicher Größe hingen. Seine kurzen, dicken Finger verschwanden in einem und kamen mit einem Schlüssel wieder zum Vorschein. Dieser Schlüssel trug die Ziffer 47 und beide machten sich auf die Suche nach dem Blechkasten, genannt Schließfach mit selbiger Nummer. Dieser ward schnell gefunden und Wagner öffnete, langte mit seiner Hand hinein und holte eine flache, unscheinbare Muschel heraus. Triumphierend sagte er: „Hier!“

Schimrod prustete los: „Das darf doch nicht wahr sein, eine Muschel, was sollen wir nur damit?! Ich dachte, hier liegt vielleicht etwas Bedeutsames oder Nützliches.“ „Sie ist nützlich, Schimrod, du wirst es sehen.“

Wagner spuckte in die Muschel, verrieb die Flüssigkeit mit den Fingern und hielt die Muschel vor sein Gesicht: „Meister Firienze, ich bin hier mit Schimrod. Seid ihr anwesend?“ „Wagner, ich bin höchst erfreut! So haben sich meine Hoffnungen erfüllt! Jetzt endlich werden wir unsere Pläne wahr machen können. Seit vielen Jahren kann ich wieder hoffen. Wir müssen nun alles Weitere besprechen.“ tönte eine Stimme aus der Muschel. Schimrod stand der Mund offen, er vergaß sogar zu schlucken. „Mund zu, Schimrod,“ zischte Wagner, „wie sieht das denn aus? So steht doch kein Edelmann da!“ Gehorsam klappte Schimrod den Mund zu. Die Stimme sprach nun weiter: „Es hat sich Neues ergeben, wir mussten flugs und geschmeidig einen neuen Plan schmieden. Hört also gut zu:

Keller befindet sich nicht mehr hier, er hat sich nach Uträa aufgemacht. Sokimakai weiß Bescheid. Er befindet sich in diesem Moment auf dem Weg in die Karpaten. Er wird euch unterwegs treffen. Schimrods neues Schwert hat er im Gepäck, des weiteren deine Streitaxt, Wagner. Beides werdet ihr zu gegebener Zeit erhalten. Ihr benutzt die HUB-Plattform nach Uträa und macht zuerst Keller unschädlich.

Leider ist ein Zschockalt hier angekommen. Warum, wissen wir nicht. Seid also sehr vorsichtig, am besten, ihr vernichtet diesen. Sobald ihr Keller ausfindig gemacht habt, müsst ihr ihn foltern und nach Merik befragen. Das ist sehr wichtig! Merik muss unbedingt gefunden werden! Entweder ihr tötet anschließend Keller, oder ihr bringt ihn zu Magus Wesnogir. Die erste Wahl muss sein, Keller zu Wesnogir zu bringen, aber keinesfalls darf Keller entkommen. Bevor er entkommt, muss er sein Leben verlieren.

Die Krug habe sich wieder erhoben, das ist ein schlechtes Zeichen. Es bedeutet, der Allesverschlinger ist erstarkt. Sie erscheinen verstärkt um Burg Ehb, es scheint, als würden sie von dort ausschwärmen. Ihr solltet Burg Ehb säubern. Ist dies alles geschehen, planen wir weitere Schritte.

Wenn ihr in Elddim angekommen seid, geht zum Gasthof “Zum Schweinehirten”. Dort erwartet euch Gwinneth.“

Die Stimme verstummte und Wagner verstaute die Muschel wieder im Schließfach.

“Wagner, bisher hielt ich dich für, gelinde gesagt, durchgeknallt, aber was soll ich nun sagen? Inzwischen bin ich geneigt, dir alles zu glauben.” Wagner grinste sein breitestes Grinsen. “Schimrod, Schimrod, es wird schon noch mit dir, glaube mir. Doch nun müssen wir nachdenken. Heute können wir nicht mehr viel machen. Zu dir nach hause können wir nicht gehen, aber wir brauchen ein Lager für die Nacht. Morgen machen wir uns auf den Weg in die Karpaten. Also wird unsere vordringliche Suche die nach einem Nachtlager und Essen sein.” “So sei es, Wagner.”


27. März 2009

8. Uträa

Abgelegt unter: Kann Schimrod helfen? — Tags:, , , , — Gabi @ 10:20

Uträa war ein wildes Land, rau und hart. Im Herbst fegten mächtige Stürme durch die weiten Ebenen von Elddim. Im Peritone-Gebirge fiel schon im September der erste Schnee und die Stadt Fallraen war 6 Monate im Jahr von der Außenwelt abgeschnitten. Fallraen war der Hauptsitz der Zwerge, regiert von König Aubry dem Starken. Die Zwerge beteiligten sich nicht an der Magie, jedoch schmiedeten sie in der Vergangenheit mächtige Runen, 8 Stück an der Zahl. Diese Runen waren Meisterwerke der Schmiedekunst. Sie waren unerreicht in ihrer Vollkommenheit und besaßen mächtige Kräfte. Die Grescal-Rune war schon seit 3 Generationen verschollen, sie wurde dem alten und eitlen König Asculon dem Schönen von den Lmuir-Sumpf-Hexen bei einem Trinkgelage entwendet. Doch die Lmuir-Hexen aus dem Lmuir-Sumpf besaßen die Rune auch nicht mehr. Die Hexen waren untereinander zerstritten. Jede der Groß-Hexen wollte die Eine sein. Und damit natürlich auch im Besitz der Grescal-Rune, welche eine ungeheure Macht-Multiplikation bedeutete. Der Drache Frugoth stahl die Rune während erbitterter Kämpfe um die Vorherrschaft. Der tapfere Zwerg Megirrh macht sich mit seiner Streitaxt Drohmger auf den Weg zu den Drachenhöhlen ins Quillrabe-Gebirge. Dort erschlug er den Drachen Frugoth, allerdings fand sich nirgends die Rune. So machte sich Megirrh an die schmutzige Arbeit, Frugoth in kleine Stückchen zu zerteilen, um die Rune doch noch zu finden. Auch dies blieb erfolglos. Jedoch konnte nun zum ersten Mal eine Karte über das Innere eines Drachen angefertigt werden. Das sicherte Megirrh Ruhm und Ehre auch außerhalb der Zwergenwelt von Uträa. Alle Gelehrten benutzten seinen Namen in großer Ehrfurcht.

Die Lmuir-Sümpfe befanden sich östlich der Elddim-Ebenen hinter dem Wolkenwald. Sie waren kalt und glitschig, feucht und neblig. Niemand kannte all die Geschöpfe, die dort im Wasser hausten. Eines aber war sicher, die Durchquerung der Sümpfe war ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang. Im Westen lag die Wüste Kregoth. An ihrem Rande lag die Stadt Gressaloth, bewohnt vom Volk der Droog. Die Droog waren ein stolzes und kriegerisches Volk. Viel war nicht über sie bekannt, sie lebten ohne viel Kontakt zur Außenwelt. Im Süden lag die Küste zum Großen Meer, dort lag die Stadt Meren. Meren war die größte Stadt Uträas. Hier lebten die Gelehrten, hier wurde gehandelt, hier gab es die besten Handwerker, ausgenommen die Schmiede. Die besten Schmiede waren die Zwerge, und die mieden Meren, es lag ihnen zu südlich. Alle Zwerge fürchteten das Meer, was sie jedoch niemals zugeben würden.

25. März 2009

7. Torziel Furin

Abgelegt unter: Kann Schimrod helfen? — Tags: — Gabi @ 17:19

Was weder Shylock noch Wagner, geschweige denn Schimrod wussten, Keller befand sich schon längst wieder in Uträa. Hinter dem Sumpf des Ostens, unweit des Totengräberpostens, befand sich die Burg Torziel Furin. Die Burg erhob sich auf einer schroffen Felsspitze, so als sei sie aus ihr emporgewachsen. Die Schildmauer war annähernd 3 Mann hoch und der Bergfried überragte alles andere auf imposante Art und Weise.

Keller bewohnte mit 150 Männern, die ihm mehr oder weniger treu ergeben waren, Torziel Furin. Er selbst wohnte nicht im Palas, sondern im Bergfried ganz oben, wo er eine herrliche Aussicht auf das Wesrin-Tal hatte.

Zur Burg gelangte man nur über einen gewundenen Pfad längs der Flanke des Berges. Nur 2 Mann nebeneinander hatten auf dem Pfad Platz, Reiter mussten sich hintereinander den Berg hoch schlängeln.

Einst gehörte die Burg dem Magier Merik. Wo Merik sich aufhielt und warum er die Burg verwaist zurückließ, darüber zerbrachen sich die Erzmagier den Kopf. An einen Tod von Merik wollte niemand glauben, hätten die Magier doch sonst ein Zeichen erhalten. Wie Keller an die Burg gelangt war, das allerdings war ein Mysterium. Nun war es zu spät, etwas daran zu ändern, Torziel Furin galt als uneinnehmbar. Kellers Ambitionen beschränkten sich nicht nur auf territoriale Interessen, nein, er war auch an der Magie außerordentlich interessiert. Diverse magische Apparaturen, zurückgelassen von Merik, beanspruchten einen großen Teil seiner Aufmerksamkeit. Bisher war es ihm nicht gelungen, den Verwendungszweck oder gar die Funktionsweise zu ergründen. Er hatte allerdings einen Plan: Sollte es ihm gelingen, eine bestimmte Person gefangen zu nehmen an der der Allesverschlinger interessiert war, müsste es ein leichtes sein, bestimmte Informationen aus dem Munde des Allesverschlingers zu erhalten. Eben solche Informationen, die dieser ihm bisher immer verweigerte.


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