16. Fragen
Schimrod und Wagner schlenderten zum Bahnhof, beide tief in Gedanken versunken. Die Bemerkungen von Wagner berührten Schimrod tiefer, als er es zuzugeben bereit wäre. Ein Leben, von dem er nichts wusste, es aber doch gelebt hatte, lag im Schatten hinter ihm. Erfahrungen, an die er sich nicht erinnern konnte. Solche Erfahrungen waren wertlos, es war, als hätte er sie nie gemacht, als beträfen sie einen anderen. Trotzdem war da dieser Schmerz in seinem Herzen, wenn Wagner über Schimrod berichtete. Er sehnte sich danach, dass alles wahr wäre. Anders konnte er sich nicht erklären, warum er diesem kleinen Mann ins Ungewisse zu folgen bereit war.
„Wagner, bitte erzähle mir mehr von Schimrod. Ich kann mich ja nicht erinnern, ich möchte aber noch so viel wissen.”
„ Hör mir gut zu, bald wirst du mehr wissen, du solltest dich noch ein bisschen in Geduld üben. In den Karpaten, kurz vor unserem Ziel, werden wir Sokimakai treffen, er wird ein Geschenk für dich im Gepäck haben. Dieses Geschenk wird hoffentlich, nein bestimmt, den Fluss der Mneme anregen. Wenn du mit Mneme überspült wirst, werden alle deine Fragen beantwortet, deine Erinnerungen werden wieder vollständig hergestellt sein.”
„Wie ist es,Wagner? Dass Überspülen mit Mneme?”
„Die Magier sagen, es gleicht einer Geburt.”
„Das ist keine große Beruhigung. Trotzdem, du musst mir mehr von Schimrod erzählen. Wie oft erlebte ich den Prozess der Wiederbelebung?”
„Schimrod, in Uträa ist es nicht wie hier. Die irdischen Verhältnisse lassen sich nicht übertragen. Uträische Menschen haben Aufgaben zu erfüllen, die sich aus ihren spezifischen Persönlichkeitsmerkmalen, Fähigkeiten und Talenten ergeben. Erfüllt man diese Aufgaben nicht, bleibt die Seele ohne Satisfaktion und man erhält eine erneute Möglichkeit. Man kann bis zu drei Möglichkeiten erhalten, bis sich die Kraft der Seele erschöpft. Von manchen starken Magiern hörte man, sie hätten eine vierte körperliche Manifestation erhalten, doch so etwas soll sehr selten sein. Sehr kleingeistige Menschen haben nur sehr einfache Aufgaben zu erfüllen, hier kommt es selten zu einer erneuten körperlichen Manifestation der Seele.”
„Ein interessantes Konzept!”
„Das ist es, in der Tat.”
„Sag, wie oft lebte ich schon?”
„Dies ist dein zweites Mal. Doch wenden wir uns profaneren Dingen des Lebens zu. Wie werden wir die Reiseroute in die Karpaten bestimmen?”
„Zuerst erklärst du mir die Lage der Hub-Plattform, dann werden wir uns vom Reisebüro im Bahnhof die Route bestimmen lassen. Anschließend kaufen wir die Karten und begeben uns auf die Reise. Möglicherweise sollten wir uns vorher etwas Reisegepäck zulegen. Etwas Wäsche zum Wechseln kann nicht schaden.”
„Es ist eine wunderbare Idee. So sollten wir verfahren.”


