Schimrod-Blog


Liebe Leser, ich werde hier eine fiktive Geschichte über Schimrod
schreiben. Bitte stellen Sie Schimrod eine Frage, dann werde ich versuchen,
originelle Fragen in meine Geschichte einzuarbeiten. Die Fragen sollten so
gestellt werden: "Lieber Schimrod, ich habe folgendes Problem, es ist
so......... . Kannst Du mir helfen?" Die Fragen können genauso fiktiv sein
wie die Geschichte. Ich werde sie als eine Art Brainstorming benutzen, also
können sie durchaus die Story beeinflussen. Ich wünsche Ihnen beim Lesen
genauso viel Spass, wie ich ihn beim Schreiben habe.

24. Mai 2009

16. Fragen

Abgelegt unter: Kann Schimrod helfen? — Gabi @ 11:13

Schimrod und Wagner schlenderten zum Bahnhof, beide tief in Gedanken versunken. Die Bemerkungen von Wagner berührten Schimrod tiefer, als er es zuzugeben bereit wäre. Ein Leben, von dem er nichts wusste, es aber doch gelebt hatte, lag im Schatten hinter ihm. Erfahrungen, an die er sich nicht erinnern konnte. Solche Erfahrungen waren wertlos, es war, als hätte er sie nie gemacht, als beträfen sie einen anderen. Trotzdem war da dieser Schmerz in seinem Herzen, wenn Wagner über Schimrod berichtete. Er sehnte sich danach, dass alles wahr wäre. Anders konnte er sich nicht erklären, warum er diesem kleinen Mann ins Ungewisse zu folgen bereit war.

„Wagner, bitte erzähle mir mehr von Schimrod. Ich kann mich ja nicht erinnern, ich möchte aber noch so viel wissen.”

„ Hör mir gut zu, bald wirst du mehr wissen, du solltest dich noch ein bisschen in Geduld üben. In den Karpaten, kurz vor unserem Ziel, werden wir Sokimakai treffen, er wird ein Geschenk für dich im Gepäck haben. Dieses Geschenk wird hoffentlich, nein bestimmt, den Fluss der Mneme anregen. Wenn du mit Mneme überspült wirst, werden alle deine Fragen beantwortet, deine Erinnerungen werden wieder vollständig hergestellt sein.”

„Wie ist es,Wagner? Dass Überspülen mit Mneme?”

„Die Magier sagen, es gleicht einer Geburt.”

„Das ist keine große Beruhigung. Trotzdem, du musst mir mehr von Schimrod erzählen. Wie oft erlebte ich den Prozess der Wiederbelebung?”

„Schimrod, in Uträa ist es nicht wie hier. Die irdischen Verhältnisse lassen sich nicht übertragen. Uträische Menschen haben Aufgaben zu erfüllen, die sich aus ihren spezifischen Persönlichkeitsmerkmalen, Fähigkeiten und Talenten ergeben. Erfüllt man diese Aufgaben nicht, bleibt die Seele ohne Satisfaktion und man erhält eine erneute Möglichkeit. Man kann bis zu drei Möglichkeiten erhalten, bis sich die Kraft der Seele erschöpft. Von manchen starken Magiern hörte man, sie hätten eine vierte körperliche Manifestation erhalten, doch so etwas soll sehr selten sein. Sehr kleingeistige Menschen haben nur sehr einfache Aufgaben zu erfüllen, hier kommt es selten zu einer erneuten körperlichen Manifestation der Seele.”

„Ein interessantes Konzept!”

„Das ist es, in der Tat.”

„Sag, wie oft lebte ich schon?”

„Dies ist dein zweites Mal. Doch wenden wir uns profaneren Dingen des Lebens zu. Wie werden wir die Reiseroute in die Karpaten bestimmen?”

„Zuerst erklärst du mir die Lage der Hub-Plattform, dann werden wir uns vom Reisebüro im Bahnhof die Route bestimmen lassen. Anschließend kaufen wir die Karten und begeben uns auf die Reise. Möglicherweise sollten wir uns vorher etwas Reisegepäck zulegen. Etwas Wäsche zum Wechseln kann nicht schaden.”

„Es ist eine wunderbare Idee. So sollten wir verfahren.”

9. Mai 2009

15. Das Keller’sche Schlafgemach

Abgelegt unter: Kann Schimrod helfen? — Tags:, — Gabi @ 18:14

Nun widmete Shylock seine Aufmerksamkeit dem wuchtigen Bücherregal hinter dem Schreibtisch. Er studierte aufmerksam die Titel der Bücher, konnte aber nichts Außergewöhnliches entdecken. Auch die braune Leder-Chaiselongue bot keinerlei Auffälligkeiten. Shylock verlor nun das Interesse an diesem Raum und verließ ihn. Im angrenzenden Flur führte eine Treppe nach oben. Die Tür, die Shylock wählte, war verschlossen. Wieder kamen seine Insekten-Finger zum Einsatz; innerhalb kürzester Zeit war die Tür offen. Er trat ein und befand sich im Keller’schen Schlafgemach. Shylock zeigte selten Gefühlsregungen, zu kalt war sein Blut. Aber hier war er fassungslos. Neben dem wuchtigen, antiken Holzbett befand sich eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Foltergeräten. Ein großer Eisenkäfig  zur Aufbewahrung von Gefangenen stand unmittelbar neben dem Kopfende des Bettes. Auf einer Bank daneben lagen verschiedene Daumen- und Knieschrauben und eiserne Mundsperren. In einer Ecke des Raumes stand eine geöffnete eiserne Jungfrau.

Zum ersten Mal begann Shylock an Kellers Geisteszustand zu zweifeln. Er konnte nicht begreifen, wie man in seinem Schlafgemach eine Folterkammer einzurichten vermochte. Diese Bewandtnis lag außerhalb seiner Geisteshaltung, er hatte hierfür keinerlei Verständnis. Voller Abscheu machte er sich an die Durchsuchung des Raumes. Leider brachte diese keine neuen Erkenntnisse. Mit einem letzten Schaudern wandte er sich ab und verließ diese widerwärtige Kammer, stieg die Treppe herunter und befand sich flugs wieder im Wohnzimmer. Dabei vergaß er, die Schlafzimmertür wieder zu verschließen, dies sollte zu einem späteren Zeitpunkt zu einem spektakulären Erschrecken der Zugehfrau führen.

„Oh, Keller, dein Charakter ist widernatürlicher, als ich vermutete. Wie konnte ich nur glauben, dir zeitweise vertrauen zu können. Ich war ein Narr. Nun werde ich mich zuerst mit König Purizante besprechen, er wird mir gewisslich helfen.” So sprach Shylock, verwandelte sich wieder in eine Fliege und flog aus dem Haus.

Schimrod und Wagner  befanden sich unterdessen in angeregter Diskussion. Sie planten die Reiseroute in die Karpaten.

„Wir sollten mit den eisernen Zügen fahren, meiner Meinung nach ist es schnell und sicher, zudem fallen wir in der Masse der Reisenden weniger auf.” „Sicher, Wagner, allerdings werden wir die Zugfahrt bezahlen müssen und Geld abheben, nachdem ich so aus der Bäckerei geflohen bin, ist wohl nicht mehr möglich. Womit also, frage ich dich, bezahlen wir?” „Aber Schimrod, nichts ist einfacher als das. Wir nehmen einfach etwas von dem Geld aus meiner Börse. Ich habe genug dabei. Ich kam doch nicht unvorbereitet zu dir! Wesnogir stattete mich mit allem Nötigen aus. Dazu gehörte auch eine nicht unbeträchtliche Menge eures Geldes. Für einen Magier ist so etwas eine Kleinigkeit.” „Wagner, du Halunke! Warum erzählst du mir erst jetzt davon? Wir hätten alles bezahlen können! Stattdessen schmarotzten wir uns durch diverse Lokale und nächtigten sogar unter einer Brücke!” „Aber, aber. Das diente doch nur der Vorbereitung auf Uträa. Dort wird es nicht so leicht sein wie hier. Und dass wir unter einer Brücke schliefen half nur der Verwischung unserer Spuren.” „Pah, alles faule Ausreden!” „Egal, wir sollten uns lieber dem Zukünftigen widmen. Wir müssen zur Hub-Plattform und vorher Sokimakai treffen. Unbewaffnet dürfen wir auf keinen Fall nach Uträa. Außerdem hat Sokimakai eine Überraschung für dich, ich überreichte ihm einen Metallsplitter aus Fasnogir, bevor ich mich auf die Suche nach dir machte.” „Ach, und so etwas soll nun mein Herz erfreuen?” fragte Schimrod beißend. „Ja, höhne du nur. Sokimakai ist ein echter Künstler, er weiß genau, was er tut. Er verspricht sich viel davon und ich mir inzwischen auch.” erwiderte  Wagner. „Dein neues Schwert wird einen Namen erhalten müssen, du solltest die Zeit nutzen, darüber nachzusinnen. Dies wird dich beschäftigt halten, dann musst du nicht mehr Streitgespräche mit mir führen. Wenn deine Erinnerung wieder vollständig hergestellt ist und du somit wieder bei Besinnung bist, werde ich dich ernst nehmen. Bis dahin sehe ich dich als einen noch nicht vollständig Erwachten an. Nun kannst du garstig auf mich sein oder streitsüchtig werden, aber wenn dich erst die Mneme durchströmt, wirst du mich verstehen.” Darauf wusste Schimrod nichts zu erwidern. „Komm, Schimrod, lass uns aufbrechen zum Bahnhof, auf dass wir bald die Karpaten erreichen.”

2. Mai 2009

14. Cirkwehrum

Abgelegt unter: Kann Schimrod helfen? — Tags:, , , — Gabi @ 10:19

Shylock erreichte im frühen Morgengrauen das Dörflein Cirkwehrum. Hier hatte sich der große Keller zurückgezogen. Er besaß einen kleinen ehemaligen Bauernhof am Rande des Dorfes, etwas außerhalb zwischen Feldern und Wiesen gelegen. Der Himmel schimmerte grau und puderrosa, durchzogen mit hellblauen Himmelsstreifen.

Shylock humpelte missmutig zu dem kellerschen Resthof, er besaß keinen Blick für die Schönheit des Morgens. Die Beschwernisse der Reise belasteten seine Launen, er hatte Hunger und Durst, er war ärgerlich, weil er nicht fliegen konnte oder durfte. Die Gefahr, von einem hungrigen Vogel aus der Luft gepflückt zu werden, war zu groß.

Schon von weitem bemerkte Shylock das Hauswacht-Auge. Es war zur Tarnung in einem Wetterhahn versteckt, entging seinen scharfen Insektenaugen jedoch nicht.

„Soso Keller, du bist also nicht zuhause. Nun gut, dann werden wir unsere Pläne neu strukturieren. Das hat auch gewisse Vorteile.” Murmelte Shylock. Da er vom Hauswacht-Auge nicht gesehen werden wollte, nahm Shylock wieder Fliegengestalt an und flog so unbemerkt auf das Haus zu. Für diese kleine Flugstrecke nahm er die Gefahr des Gefressen-Werdens auf sich, wollte er doch unbemerkt zu dem kellerschen Wohnhaus gelangen und möglicherweise sogar Einlass finden. Seine Hoffnungen wurden auf wunderbare Weise erfüllt, ein Fenster war leicht geöffnet. Die Zugehfrau, die sich in Kellers Abwesenheit um das Anwesen kümmerte, war der Meinung, das Haus würde Frischluft vertragen können und ließ so ein Fenster offen stehen, damit die gute ionengesättigte, würzige Luft in das Haus strömen konnte. Shylock nahm den Weg der Frischluft und befand sich flugs in einem Zimmer, das man als Wohnzimmer bezeichnen konnte. Hier wechselte er wieder seine Gestalt.

Dieses Wohnzimmer spiegelte aufs Genaueste Kellers Wesen wider, doch diese Feinheit entging dem insektenartigen Shylock. Sein Fokus lag auf anderen Dingen. Die Möbel waren ausnahmslos aus dunklem, schwerem Holz gefertigt, welches mit Schnitzereien und Zierrat übersäht war. Sie waren groß und schwer, mit einem Wort, sie waren protzig. Der wuchtige Schreibtisch stand mitten im Raum, die Platte unter der sich eine hohe beschnitzte Zarge anschloss, wurde getragen von zwei massiven Wangen , die mit geschnitzten Löwen und Wappen verziert waren. Der Schreibtischstuhl war kein Stuhl mehr, es war mehr ein Sessel oder sogar ein Thron. Die Armlehnen endeten in geschnitzten Löwenköpfen, in die Rückenlehne war ein imposantes Wappen geschnitzt. Diese endete nach oben hin in eine stilisierte Krone.

An der des Schreibtisches gegenüberliegenden Wand hing ein übermannshoher Salonspiegel mit goldenem, geschnitzten Rahmen. Saß man an dem beeindruckenden Schreibtisch, konnte man sich im Spiegel bewundern. Üblicherweise bekam man dabei ein beklemmendes Gefühl, sich sitzend an dem überwältigenden und großen Möbel zu sehen, nicht jedoch Keller. Er war anders, er fühlte sich von Macht durchströmt, die er nicht hatte, jedoch zu kommen nahen glaubte.

In dem Schreibtisch in der Zarge befand sich eine Geheimschublade. Shylocks kundige Augen fanden sie fast sofort. Sie war abgeschlossen, jedoch war das kein Hindernis. Des Insekten-Gnoms Finger schlüpften in kleinste Zwischenräume und lösten so den geheimen Mechanismus, der die Schublade blockierte. Dergestalt ließ sie sich leicht öffnen und Shylock holte ein Bündel Notizen heraus. „Interessant, interessant, dies hier werde ich an mich nehmen.” Mit diesen Worten schob er das Bündel in seinen weiten grünen Mantel, der in seinem Innenbereich eine Vielzahl von Taschen aufzuweisen hatte

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