12. Der Allesverschlinger schlief unruhig
Der Allesverschlinger schlief unruhig heute Nacht. Er spürte instinktiv die Veränderungen. Ganz Uträa gärte. Vieles veränderte sich, sogar seine Anhänger und Schergen zeigten sich unruhig bis ungehorsam. Viele hatten eigene Ambitionen, diese mussten ihnen unbedingt ausgetrieben werden. Noch brauchte er sie, aber wenn alles wieder unter Kontrolle war, würde er sie vernichten.
Keller wollte ein eigenes Machtzentrum errichten, doch sobald Merik gefunden war, würde Keller den Weg in den Kessel der Qual antreten. Und so manche würden ihm folgen. Dann würde er den Menschen den Halsreif der Schmerzen anlegen.
Es klopfte, erst zaghaft, dann lauter, bis schließlich der Allesverschlinger brummend und fluchend aufstand und die Tür öffnete. „Erhabenster Meister, es bereitet mir unsägliche Qual euch euren Schlaf rauben zu müssen, aber es hat sich Wichtiges ereignet.” Sagte Serlos, der persönliche Kammerdiener des Allesverschlingers. „Sprich!” Donnerte dieser zurück. Serlos sprach geschwind weiter: „Meister, leider war es uns nicht möglich, Schimrod zu finden. Es ist sogar noch viel schlimmer. Wagner muss sich auf der Erde befinden, es ist anzunehmen, dass er inzwischen mit Schimrod Kontakt hat. Falls das passiert sein sollte, können wir davon ausgehen, dass Schimrod wieder an seine Erinnerungen gelangt.” „Hhhmm, hhmm, nun, es gibt Schrecklicheres. Trotzdem, gute Nachrichten sehen anders aus. Wir werden neue Pläne machen müssen. Zuerst muss mein kleiner Bruder kommen. Ich werde seine Unterstützung gebrauchen können. Dann werde ich mit diesem Kriecher Keller reden. Vielleicht ist er mir doch noch nützlich. Veranlasse alles. Und spare nicht mit Drohungen. Sie sollen den Ernst der Lage erkennen. Und auch meine Ungeduld. Schlafen werde ich heute nicht mehr können, ich brauche jetzt etwas anderes. Rufe Feodora, sie soll mir den Rücken massieren und noch andere Stellen.”
Der Allesverschlinger ließ sich wieder auf sein mächtiges Bett plumpsen und goss sich aus der Karaffe auf den Nachttisch roten Wein in einen Kelch. Vor Vorfreude grinste und sabberte er, der Wein ergoss sich auf seinen seidenen Nachtrock. Die Flecken wirkten im düsteren Kerzenlicht wie Blut. Dies erheiterte den Allesverschlinger so sehr, er lachte laut und donnernd. In diesem Moment erschien Feodora in der Tür, zart und zierlich. „Allerliebst, allerliebst. Gibt es etwas Schmackhafteres als ein Mädchen, scheu und zierlich?” Er griff wieder zum Kelch und trank ihn mit einem Zug aus. „Hurtig jetzt, herunter mit den Kleidern! Oder ich reiße sie dir herunter, dann hast du nichts mehr zum Anziehen.”

