Heute war wieder mal ein Sch…..tag. Es war morgens, 10.47 Uhr und in der Bäckerei war rein gar nichts los. Matthias stand sich die Beine in den Bauch. Es kamen einfach keine Kunden heute, und hinsetzen ging überhaupt nicht. Wenn das der Chef sah, gab es jedes Mal großen Ärger. Da war es besser, zu stehen. Und überhaupt, als Bäckereifachverkäufer hatte man sowieso nicht viel zu sagen. Matthias war ja schon froh, dass er irgendeine Lehrstelle ergattert hatte, und das bei seinem schlechten Notendurchschnitt. Ein Abi mit 1,9!!! Da konnte man dem Herrgott für jede, aber auch wirklich jede Lehrstelle auf Knien danken und am besten noch 10 Ave Marias hinterherschicken. Matthias hätte gerne studiert, vielleicht Informatik oder diesen neuen Studiengang „Spiele-Design“, aber dafür brauchte man einen Schnitt von mindestens 1,25!! Matthias hatte heute wirklich viel Zeit, nachzudenken. Nichts los, da kam man ins grübeln. Jetzt, mit 25 Jahren, da war das Leben schon gelaufen. Freundin? Pustekuchen!! Welches Mädel, das noch bei Trost ist, lässt sich schon mit einem Bäckereifachverkäufer ein!
Bimmel, bimmel, bimmel, endlich betrat ein Kunde die Bäckerei. Es war ein kleines zerknittertes Männchen mit so einer Art Regenmantel. Wahrscheinlich wieder einer dieser Opas aus dem benachbarten Altersheim, die hatten ja ständig was zu meckern, die Brötchen sind zu hart, die Brötchen sind zu weich, die Brötchen sind zu klein,…….., damals, vor´m Krieg, da war alles viel besser, aber heute…., die Jugend hat auch keinen Respekt mehr vor dem Alter……
„Ähemm, ähemm, ähemm!“ räusperte sich der Alte und unterbrach Matthias Gedanken. „Ja? Was kann ich für sie tun?“ „Schimrod?“ krächzte der Alte. „Nee, so was haben wir nicht!“ antwortete Matthias. Überhaupt, wie der Alte schon aussah… Klein, aber superbreite Schultern; ob die im Altersheim seit neuestem Bodybuilding betreiben? „Ich will nicht Schimrod haben, du Depp von einem debilen Drachen, ich hab dich angesprochen!“ donnerte der Alte los. Uiuiui , das ging Matthias durch Mark und Bein. „Erlauben sie mal, wie reden sie mit mir und Schimrod bin ich auch nich; ich weiß nicht, mit wem sie mich verwechseln.“ „ Hahaha, du erinnerst dich an nichts, stimmts?“ „An was sollte ich mich denn erinnern?“ Trotz seines anfänglichen Widerwillens wurde Matthias neugierig; so etwas Schräges hatte er hier in der Bäckerei noch nie erlebt. „ Vielleicht könntest du die Güte haben und dich an mich erinnern, deinen treuen Diener und Lehrer, Wagner, der Drachentöter.“ „Hääääh?!
„Nicht hääh! Da du dich noch nicht erinnerst, muss ich dir ein bisschen auf die Sprünge helfen. Du warst, zumindest bisher immer, Schimrod! Als du das letzte Mal vor 33 Jahren, 7 Monaten und 12 Tagen gestorben bist, hat uns das sehr viel Überredung gekostet, dich zurückzubringen. Meine Güte, hast du dich gesträubt! Wir mussten dich zu fünft festhalten und zu deinen Eltern schubsen. Nun, durch diesen ganzen Tumult kamst du nicht zu unseren, sprich deinen Wunscheltern, da herrschte zu großes Gedrängel. Wir mussten uns kurzentschlossen nach weniger beliebten Eltern umschauen. Aber es ist ja noch mal alles gut gegangen und jetzt bin ich da, um dich abzuholen.“ „Momentchen, Alter. Ich verstehe nur Bahnhof. Du willst mich abholen, und in Wirklichkeit bin ich Schimrod und nicht Matthias?“ „Ja doch! Aber wir müssen uns wirklich beeilen, die sind mir schon auf den Fersen und wir haben noch einen weiten Weg vor uns.“ „ Das glaube ich, dass sie DIR auf den Fersen sind!“
„Ah, bäh! Das ist nicht so, wie du denkst! Der Allesverschlinger hat mal wieder seine Schergen ausgesandt. Die können verdammt schnell sein, also ist Eile geboten, gürte dein Schwert um und komm mit!!“ „Haha, ich hab doch kein Schwert, und überhaupt, wo ist der Chef?“ „Dein Chef, mein Lieber, bin ich, zumindest bis deine Amnesie vorbei ist. Aber dein irdischer Chef liegt im Keller und blutet. Also komm!“ „Wie bitte?! Chef liegt im Keller und blutet?“ „Ich wiederhole mich äußerst ungern, aber ja, er liegt im Keller und blutet. Ich hab ihn einfach runtergeschubst, er wollte mich rausschmeißen. Also, Junge, rufe deinen Notdienst an, damit sie ihre Heiler aussenden und komm mit!“
Matthias ging zur Kellertreppe und lugte vorsichtig herunter. Tatsächlich, da lag sein Chef lang ausgestreckt auf dem Boden. „Huh, da werde ich mal schnell den Notdienst anrufen!“ „Hallo, ist da der Notdienst…..ja hier ist die Bäckerei Schröder in der Lessingstrasse…..ja, hier ist ein Notfall, mein Chef liegt im Keller und blutet…..ja, hier steht so ein kleiner Opa und sagt was vom Allesverschlinger….ja, der hat seine Schergen ausgesandt…..ja, die suchen nun nach ihm……ja, ich soll mitkommen und mein Schwert gürten…..ja, ich hab angeblich schon oft gelebt, war tot und nun…..was….ich soll hierbleiben….mich nicht vom Fleck rühren….sie schicken jemanden ZU MIR….aber mir fehlt nichts …..es ist mein Chef, der……..ACH DU GROSSE SCH….!!!“
„Du Irrer, jetzt halten sie mich für verrückt!! Sie wollen mich abholen! Wenn sie Chef sehen, glauben die nie, dass du ihn runtergeschubst hast; die denken dann, dass ich…!“ „Um so besser, dann können wir ja endlich zusammen verschwinden.“Der Alte namens Wagner, der Drachentöter, drehte sich um und ging zur Tür hinaus. Matthias band eilig seine Schürze ab und folgte ihm. „Sag mal, Wagner, wohin gehen wir jetzt?“ „Endlich nimmst du Vernunft an, Schimrod. Nun, zuerst brauchst du ein gutes Schwert, dann brechen wir auf in die Karpaten, denn da steht eine der letzten irdischen HUB-Plattformen die uns zurück nach Uträa bringt. Dann wirst du den Allesverschlinger finden und töten, aber diesmal endgültig!“